„Santa Claus, do you ever come to the ghetto?“, fragt ein Lied, dass der Künstler Gentlemen kürzlich bei „Sing meinen Song“ interpretierte. Diese Frage ließ mich nicht mehr los, denn ich beobachte viele Menschen, die zu Weihnachten auf der Jagd nach Geschenken der Hektik und dem Stress huldigen. Für viele bleibt die ersehnte „Stille Nacht“ aus. Warum das so ist und weshalb der Weihnachtsmann nicht ins Ghetto kommt?
Unsere Praxis des Schenkens wird häufig durch die neuesten Trends der Werbung, die Tipps für sie und ihn bei Internetriesen oder die Vorgaben der Bestellerlisten bestimmt. Zusätzlich kalkulieren wir oft mit ein, welchen Preis das Geschenk haben kann, sodass es dem Wert des Geschenks entspricht, das ich vom Anderen erwarte. Das so durchgeführte „Schenken“ verkommt zum vormonetären Warenaustausch und zur Treibjagd. Dabei ist aber nicht der Mensch der Jäger nach Geschenken, sondern der Getriebene: durch den Markt aber mehr noch durch die eigene Ruhmsucht, möglichst vom Anderen gelobt zu werden für das teure Geschenk, das doch nicht nötig gewesen wäre… (aber insgeheim erwartet wurde).
Menschen, die aus finanziellen Gründen in Ghettos leben müssen, können dieser geforderten Logik des Schenkens nicht nachkommen. Damit rücken der „Weihnachtsmann“ und mit ihm das Weihnachtsfest in ersehnte aber unerreichbare hoffnungslose Ferne. Der „Weihnachtsmann“ vermag die äußeren Ghettos ebensowenig zu erreichen, wie unsere inneren Ghettos: Bereiche des Lebens, in denen ehemalige prächtige kreative Pflanzen plattgewalzt wurden durch zweckmäßigen Beton. Unerfüllte Träume und Visionen lassen sich zwar durch Unmengen von Waren kurzfristig bedecken aber nicht begeistert leben. Wir benötigen gerade zu Weihnachten eine neue Praxis des Schenkens, die nicht am Massenprodukt „Weihnachtsmann“, sondern an Jesus Christus Maß nimmt.
Wir alle haben erfahren, wie es ist, von einem Geschenk wirklich angerührt zu sein. Eine innere Sehnsucht wird getroffen und wir wissen instinktiv, das hier nichts zum Tausch angeboten werden kann. Pure Freude erfüllt uns, hebt uns nach oben und entreißt uns der Logik des Zwecks. Dieses Schenken ist zuerst still geworden. Es hat sich in den Anderen eingefühlt, seine Situation nachvollzogen und die Interessen und Entwicklungsmöglichkeiten bedacht. Es hat einen Blick in die Ghettos gewagt und Ansätze von Pflanzen erkannt. Ihm verlangt danach, diese versteckten Visionen behutsam zu fördern. Er schenkt dadurch nicht nur etwas, sondern legt einen Teil von sich selbst mit hinein.
Nun liegt es in unserem begrenzten Wesen, dass wir trotz aller Anstrengung den Anderen wirklich in den Mittelpunkt zu stellen und ihn zu kennen, auch irren können. Gott aber weiß um unsere äußeren und inneren Ghettos. Er durchforscht unsere Träume von der Wurzel bis zur letzten Blattspitze (Psalm 139). Nach gründlicher Prüfung allen Staubes, der den Beton bedeckt und die unfertigen Häuser trocken umweht, kommt er zum Entschluss, sich selbst zu schenken. Gewaltig müsste der Schöpfer der Schönheit einbrechen in alles Grau, doch er lässt sich selbst von Staub bedecken. Beinahe unmerklich macht er dir zu Weihnachten das große Angebot: Lass meine Schönheit in deinen Ghettos wachsen.
#SchönheitimStaub